Sky Go 1. Liga: Zu wenig Potenzial für Profibetrieb?

Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer ist vergangene Woche mit der Ankündigung via Kurier-Interview an die Öffentlichkeit gegangen, dass sich die Bundesliga auf eine Änderung des Formats in den nächsten Jahren vorbereitet. Anlass sei die Erkenntnis, dass Österreich zu wenig Potenzial für 2 Profiligen aufweise.

Auch wenn es in Ebenbauer’s Interview hauptsächlich um das zukünftige Format der Tipico-Bundesliga ging, so ist doch in erster Linie die zweithöchste Spielklasse, die derzeit lustiger weise „1. Liga“ genannt wird, betroffen. Die wirkliche 1. Liga, also die Tipico-Bundesliga, ist also eher indirekt von der Strukturreform betroffen, da sich bei einer Aufstockung auf 12 oder 14 Vereinen der Modus ändern muss. Trotzdem konnte man bis jetzt wenig erfahren, was mit der Sky Go 1. Liga passieren soll. Als ehemaliger Spieler der 2. Leistungsstufe in den 90er-Jahren möchte ich hier meine Gedanken zur aktuellen Situation und den aktuellen Ideen darstellen.

Neues Problem? Nein!

Heute hört man also, dass das wirtschaftliche Potenzial für 20 Profivereine in Österreich zu klein ist. Darüber hinaus schaffen immer weniger Regionalliga-Aufsteiger den Sprung ins Profigeschäft. Manche versuchen es ja gar nicht mehr. Aber hat sich da tatsächlich etwas geändert? Hatte die Liga nicht immer schon zu wenig Potenzial für Vollprofibetrieb? Zu meiner Zeit als Spieler in den 90er-Jahren war die damalige „Bundesliga 2. Division“ auch keine Profiliga. Es gab bei einigen Vereinen wohl ein paar Profis, aber der Großteil war Halbprofi bzw. Amateur. Und es gab relativ viele Studenten wie mich.

Die zweithöchste Spielklasse war meiner Einschätzung nach nie eine reine Profiliga. Warum sollte sie auch unbedingt eine sein? Ist der Anspruch, den man sich auferlegt, nicht zu hoch?

Hohe Auflagen in der Bundesliga

Seit meiner aktiven Zeit vor mehr als 20 Jahren sind die Auflagen in der Bundesliga über die Lizenzierung stark angezogen worden. Jeder Verein muss 20 Profis im Kader haben, das Flutlicht muss HD-tauglich sein, da alle Spiele live übertragen werden, und die „Stadien“ müssen gewisse Standards erfüllen. Nicht zu vergessen, dass die Finanz jedem Verein der Bundesliga automatisch Profibetrieb unterstellt, und dass laut dem vielbesprochenen Wartungserlass der Profibetrieb der Vereine ab 1.1.2017 in einer Kapitalgesellschaft ausgegliedert sein muss.

Das alles überfordert manchen Verein der Sky Go 1. Liga. Beim Fußballforum im Jänner in Wien erklärte der Klubmanager des FAC Wien, Mathias Slezak, dass sein größtes Problem die Anforderungen an die Infrastruktur seien, die mit einem Budget von EUR 1,7 Mio. nur sehr schwer zu schaffen wären. Nun verstehe ich die Hintergründe, aber wer den FAC-Platz kennt, der weiß, dass das mit ein paar Hunderttausend Euro kein Stadion wird. Es bleibt der FAC-Platz. Der FAC hat sich meiner Meinung nach wirklich sehr bemüht, keine Frage, aber es stellt sich auch die Frage nach der Nachhaltigkeit der Investitionen. Sind sie oben, wird in die Infrastruktur, u.a. für’s Fernsehen, investiert. Gehen sie runter, so wie es jetzt (sportlich höchstwahrscheinlich) passiert, sind das alles verlorene Investitionen (stranded investments). Anders ist es mir auch nicht verständlich, warum man mit EUR 1,7 Mio. nicht 1. Liga in Österreich spielen können soll. Zum Vergleich: die Würzburger Kickers, die in der 3. Liga in Deutschland gerade sensationell um den Aufstieg in die 2. deutsche Bundesliga mitspielen, haben ein kolportiertes Budget von EUR 2 Mio. Und sportlich sind die höchstwahrscheinlich besser…

Fakt ist, dass es in der 1. Liga wirtschaftlich sehr schwer ist. Austria Salzburg ging während der Saison in Konkurs und muss absteigen. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass der eine oder andere Verein in Kürze die Lizenz für die nächste Saison nicht erhält.

Eine mögliche Lösung: Raus aus der Bundesliga

Wenn es nicht möglich ist, innerhalb der Bundesliga die Anforderungen und Ansprüche an die Vereine zu senken, dann sollte die aktuelle Sky Go 1. Liga (mit welchem Namen dann auch immer) in die Fittiche des ÖFB übergehen, ähnlich wie die 3. Liga in Deutschland vom DFB organisiert wird. Auf dieser Basis könnten die Vereine wieder Halbprofis beschäftigen, was die Gehaltskosten etwas senken könnte. Die Investitionen in die Infrastruktur, die zwar vielfach nötig wären, würden dann zumindest nicht mehr vorgeschrieben werden. Höchst wahrscheinlich würde dann aber auch die TV-Verwertung anders aussehen. Ob dann noch jedes Spiel live übertragen wird und dementsprechende Werbegelder fließen, wage ich stark zu bezweifeln.

Bleibt die Frage nach dem Format. Nun, ich wäre für eine möglichst große, dann wieder 2. Liga. Warum? Weil ich der Meinung bin, dass wir heute weit mehr Talente produzieren als früher. Zu meiner Zeit hatten wir zunächst zwei 12er-Ligen (mit 3 Playoffs im Frühjahr) und später eine 16er-Liga auf der zweiten Stufe. Die vielen Talente, die in Österreich Jahr für Jahr aus dem Akademien kommen, sollten so hoch wie möglich spielen, um gefordert zu werden. Zu viele verschwinden in der Regionalliga oder darunter. Aus der 2. Liga haben sie noch eine Chance, in die Bundesliga zu kommen. Sie werden Woche für Woche gefordert, steigen mit Ihrem Verein auf oder machen sonst auf sich aufmerksam. 16 Vereine ist für mich deshalb die unterste Grenze. Aus derzeit 20 Vereinen in den beiden höchsten Leistungsebenen, würden dann 28 Vereine. 8 mehr als heute. Spieler von Vereinen wie die Vienna, BW Linz oder Hartberg würden dann wohl eine Stufe höher spielen und entsprechend gefordert werden. Und es könnten endlich jedes Jahr alle 3 Regionalliga-Meister aufsteigen.

Und noch etwas spricht für Halbprofitum. Die Spieler sind hier gefordert und haben Zeit, auch auf die Karriere neben und nach dem Fußball zu achten. Es wird Ihnen nicht vorgegaukelt, dass sie Profis sind, obwohl sie wenig verdienen, oft weniger als so mancher Amateur in der Regionalliga. Die Chance, in die Bundesliga zu kommen, ist nicht die größte. Also wäre Realismus auch hier für die Spieler vorteilhaft.

Mein Fazit: Ansprüche zurücknehmen im Sinne des Fußballs

Alles in allem läuft es darauf hinaus, dass die Ansprüche an die derzeitige 1. Liga wieder gesenkt werden müssen. Sportlich läuft es meiner Meinung nach gut, aber wenn der Markt wirtschaftlich nicht mehr hergibt, dann macht es keinen Sinn, die Vereine durch unrealistisch hohe Ansprüche umzubringen. Wenn das innerhalb der Bundesliga nicht geht, dann sollte die Liga unter das Dach des ÖFB kommen, so wie die 3. Liga in Deutschland unter jenem des DFB steht.

One Comment
  1. Alex 18. Mai 2016 at 12:54

    Nachtrag. Dass sich jetzt Bundesliga-Absteiger Grödig dazu entschließt, in der Regionalliga weiter zu machen und den Platz in der Sky Go 1. Liga nicht zu nützen, ist vielsagend. Es ist eine nachvollziehbare Strategie, nicht für 1 Jahr die Kosten (z.B. für die Ausgliederung des Profibetriebs) auf sich zu nehmen, sondern von der Regionalliga aus zu versuchen, im übernächsten Jahr in der vergrößerten Liga dabei zu sein. Man muss nur aufpassen, dass diese Strategie nicht zu viele wählen. Sonst wird die nächste Saison zur Farce. Es macht ohnehin schon fast den Eindruck, dass man die Vereine für die Sky Go 1. Liga zusammen kratzen muss. FAC darf oben bleibe, obwohl sportlich abgestiegen. Salzburg und wahrscheinlich Klagenfurt müssen wg. Lizenz runter und plötzlich dürfen alle Regionalliga-Meister ohne Relegation rauf. Wer will noch mitmachen?

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