Relegation: Sinn oder Unsinn?

Immer wieder wird diskutiert, ob die Auf- und Abstiegsrelegation sinnvoll und vor allem fair ist. Es wird argumentiert, dass die Planbarkeit für die Vereine durch einen drohenden Abstieg schlechter wird. Auf der anderen Seite leisten diese Spiele einen Beitrag zur Attraktivität der Bundesliga.

Eines vorweg. Die Relegationsspiele zwischen 1. und 2. Bundesliga sowie 2. Bundesliga und 3. Liga zählen für mich zu den spannendsten Spielen des Jahres. Es geht um sehr viel. In nur 2 direkten Begegnungen hängt die Klassenzugehörigkeit der ganzen nächsten Saison, vielleicht sogar vieler zukünftiger Jahre ab. Ein Fehler und dem Verein können Millionen entgehen. Ein Fehler und die halbe Mannschaft kann ohne Vertrag dastehen. Sieg und Niederlage können eng zusammen liegen. Genau das macht die Relegation aus.

Sportlich fair?

Man könnte meinen, dass es für den 16. der ersten 1. oder 2. Bundesliga sportlich unfair ist, dass man als Drittvorletzter gegen den Dritten der unteren Liga spielen muss. Reichen nicht 2 Absteiger? Ich meine nein. Bei 18er-Ligen meine ich, dass 2 Auf- und Absteiger zu wenig wären.

Unfair? Nein. Für jeden Absteiger gibt’s ja schließlich einen Aufsteiger. Der 3. der unteren Liga verdient sich sportlich meiner Meinung nach die Chance, den Aufstieg doch noch zu erreichen. Was also für den einen fair wäre, wäre für den anderen unfair.

Attraktivität des Produkts Bundesliga

Für die Attraktivität des Produkts Bundesliga ist es meiner Ansicht nötig, für ausreichend Spannung zu sorgen. Steigen nur 2 Auf- und ab, dann wären bei 18 Vereinen nur mehr vier Positionen variabel. 14 würden in der selben Klasse bleiben. Ich finde, dass in diesem Fall frühzeitig zu viele Mannschaften um die goldene Ananas spielen könnten. Bei Relegationsplätzen gibt es 2 Positionen mehr, die man erreichen oder vermeiden möchte. Somit ist der Kreis der Vereine, die in den Aufstiegs- oder Abstiegskampf involviert sind, größer, wodurch die Spannung in der Meisterschaft in der Regel länger erhalten bleibt.

Wirtschaftlich fair?

Die Relegation hat hier dann den entscheidenden Vorteil, dass das Schicksal nicht endgültig ist. Dies gilt zumindest für jenen Verein, der in der oberen Liga 16. wurde. Denn die einzige Alternative aus meiner Sicht sind 3 fixe Auf- und Absteiger. Aus diesem Grunde finde ich, dass die Relegation bereits eine zusätzliche Chance für den Verein aus der höheren Liga ist, da dieser eigentlich als 3. Absteiger in einer 18er-Liga absteigen müsste. Aus der Sicht des 3. der unteren Liga könnte man das genau umgekehrt sehen, als Benachteiligung oder zusätzliche Hürde. Also, die Vereine aus der oberen Liga sind meiner Meinung nach gut bedient. Klar, die wirtschaftliche Planbarkeit ist beeinträchtigt, aber wie gesagt, die Alternative wäre eine Besiegelung des Worst Case, des Abstiegs.

Insgesamt meine ich, dass der kleine Nachteil für den 3. der unteren Liga auch argumentierbar ist. Immerhin hat dieser die sportliche Chance, in zwei Spielen zu zeigen, dass er zu Recht in die höhere Liga aufsteigt. Meist haben diese Mannschaften einen Lauf, während der 16. der höheren Liga im Abstiegskampf um jeden Punkt kämpfte und zu wenig erzielte. Wenn man es als Mannschaft der unteren Liga dann nicht schafft, dann dürfte die Qualität für die höhere Liga einfach zu gering sein. Die Relegation ist für mich deshalb sportlich ein guter Kompromiss.

Wirtschaftlich sieht die Sache natürlich anders aus. Würde ein Verein als 3. der unteren Liga fix aufsteigen, wären die wesentlich höheren Einnahmen der oberen Liga fix. Selbst im Falle eines sofortigen Abstiegs in der nächsten Saison, könnte die wirtschaftliche Basis des Vereins damit deutlich verbessert werden, wenn gut gewirtschaftet wird. Dieser Makel bleibt der Relegation.

Ein weiterer Saisonhöhepunkt, der gut vermarktbar ist

Schlußendlich bleibt festzustellen, dass am Ende einer langen Saison 4 zusätzliche Spiele live im Free-TV zu sehen sind. Die vorprogrammierte Spannung sorgt für hohe Einschaltquoten. Es können neue Zuseher erreicht werden, die vorher nie ein Spiel live gesehen haben. Den Sponsoren kann man eine Öffentlichkeit und Reichweite bieten, die während der Saison so meist gar nicht geboten werden kann. Vielleicht erreicht man sogar potenzielle neue Sponsoren. Die Würzburger Kickers konnten dieses Jahr sogar bereits für die Relegationsspiele einen neuen Sponsor gewinnen.

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