airberlin/Niki Visakarte
Geschrieben von Alexander Neumayer am 7. Dezember 2011 | Kategorisiert unter Anbieter, Produktmanagement, Vertriebskanäle
Geschrieben von Alexander Neumayer am 7. Dezember 2011 | Kategorisiert unter Anbieter, Produktmanagement, Vertriebskanäle
Prinzipiell ist ja nichts dagegen einzuwenden. Kunden bezahlen mit der Kreditkarte, die Bank verdient mit den Merchant-Disagios gutes Geld und der Kunde bekommt einen Teil davon in Form von Treuepunkten retour. Kauft man gezielt mit der Karte ein, dann hat man vielleicht irgendwann mal einen Gratisflug beisammen, während man mit anderen Karten leer ausgeht. Auf der anderen Seite der Medaille steht jedoch der Kartenpreis. Mit mehr oder weniger nützlichen Versicherungsfunktionen und sonstigen Vorteilen der sonstigen topbonus-Karten sind bei airberlin/NIKI für die Kreditkarte immerhin fast 70 Euro pro Jahr zu berappen. Für eine Kreditkarte!
Man könnte jetzt rumrechnen und sich fragen, wie viel muß man einkaufen, um sich einen Flug zu ersparen, etc. Nachdem die meisten Konsumenten den Reiseschutz oftmals sogar mehrfach abgedeckt haben (z.B. Autofahrerclub, Rechtschutzversicherung, …), bleibt der Gratisflug die Hauptattraktion. Für mich ist das der Punkt, an dem die meisten Interessenten wahrscheinlich wieder aussteigen werden. Sie werden sich nicht die vielen langen Text durchsehen, alle möglichen Berechnungen anstellen und dann das Einkaufsverhalten umstellen, um möglichst viele Punkte zu sammeln, weil sich nur dann die hohe Jahresgebühr auszahlt, wenn sie sich auf der anderen Seite mehr durch den Einsatz der Karte ersparen können.
Speziell die Erfahrungen bei A1 zeigen z.T., daß die Kreditkarte von Kunden oft (nur) als Gelegenheit genützt wird, um schnell und einfach zu (3.000) mobilpoints und damit schneller zu einem neuen Handy zu kommen. Die ersten 12 Monate sind kostenlos und bevor die monatlichen Kosten von 3,90 schlagend werden, kündigen viele wieder die Kreditkarte. Selbst bei Google erscheint „A1 Visakarte kündigen“ als 1. vorgeschlagener Begriff, wenn man A1 Visakarte eingibt. Auf der anderen Seite gibt es sehrwohl Kunden, die sich denken: „wenn schon zahlen, dann mit Punkten für ein neues Handy“. Und damit wächst die Kundenbasis stetig. Jedenfalls bleiben die mobilpoints die Hauptattraktion der Karte.
Im aktuellen Fall der airberlin/NIKI Kreditkarte wird das nicht der Fall sein. Zwar gibt’s 1.000 Flugmeilen zu Beginn, aber eben kein Handy (sofort, weil man in unserer Schuldengesellschaft ja sogar bei mobilpoints ins „Minus“ gehen kann…). Damit werden weniger „Impulsanträge“ bei airberlin zu Stande kommen, weil eben nicht das neueste Handy winkt. Auf der anderen Seite gibt’s beim Sammeln mehr Punkte, sodass Leute, die zumindest hin und wieder irgendwohin fliegen wollen, vielleicht angezogen werden. Trotzdem. Bei diesem Preis wage ich es zu bezweifeln.
Wenn sich die Kunden nun mehr ersparen als die Karte im Jahr kostet, dann zahlen’s die Händler über ihre Disagios. Aus Fokusgruppen zum Thema Kreditkarte weiß ich, daß die Kreditkarte von vielen Kunden immer noch ungern eingesetzt wird, insbesondere weil man weiß, dass dem Händler diese hohe Kosten erwachsen (unter ein paar anderen Gründen). Der Händler, der die Kreditkarte bei Zahlungen akzeptiert und das Disagio bezahlt, zahlt die Zeche, auch die Bonuspunkte. Auch mich stört diese Tatsache, insbesondere wenn damit Marketing gemacht wird, wenn eine Fluggesellschaft und eine Bank, in dem konkreten Fall die Raiffeisen Bank International Kunden auf ein teueres Zahlungsmittel im Vergleich zu einer normalerweise häufiger und lieber eingesetzten, günstigeren Alternative (Maestro-Karte) drängen. Zum Schaden des Händlers, dessen Kosten sich unnötigerweise erhöhen.
Für mich ist das eine moralisch fragwürdige Vorgehensweise, die auf den viel zu hohen Kreditkarten-Disagios basiert. Wenn hier wirklich Spielräume bestehen, dann sollten sie dem Händler zu Gute kommen und nicht dazu verwendet werden, unbedarfte Privatkunden zu mißbrauchen! Ich hätte gehofft, dass sich Banken nach den Erfahrungen der letzten Jahre auch Fragen der Moral zunehmend stellen, wenn sie neue Produkte entwickeln. Wobei so neu sind die ja gar nicht und schon gar nicht innovativ. Dennoch. Ich hoffe, daß die Kunden weiter denken und sich fragen, wieso eine Fluglinie Flugmeilen auf Einkäufe mit einer Kreditkarte vergibt? Und ich hoffe, dass sich solche Raubzüge in den nächsten Jahren immer mehr reduzieren, wenn endlich alternative, mobile Zahlungsmittel kommen, die sowohl Händlern, als auch Konsumenten dienen…
P.S. Ganz lustig ist die Punktesammel-Möglichkeit bei Barbehebungen. Das klingt ja recht lustig. Ich hebe Geld ab und sammle Punkte! Aber hoffentlich lesen die Kunden auch die Geldbehebungskosten (0,35 + 3% vom Betrag) in der Liste der Gebühren….?!
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