ING-Diba: Interview mit CEO Katharina Herrmann

Geschrieben von Alexander Neumayer am 21. Juli 2010 | Kategorisiert unter Anbieter, Finanzvertrieb, Interviews, Vertriebskanäle


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Katharina Herrmann wurde 2007 CEO der ING-DiBa Direktbank Austria. Mit Jahresende wird Sie nun nach Deutschland zurück kehren und in den Vorstand der ING-DiBa in Frankfurt einziehen.

Nach dem einen oder anderen gemeinsamen Projekt in den letzten Jahren wollte ich die Chance nicht verpassen, Frau Herrmann ein paar Fragen zu stellen, wie ihr Resümee ausfällt und was man von der ING-DiBa noch erwarten kann.

Frau Herrmann, 2070 sind Sie als General Managerin der ING DiBa Direktbank Austria nach Wien gekommen. Sie haben mit den letzten Jahren gewiss keine einfache Zeit erwischt. Nun werden Sie mit Jahresende nach Deutschland zurück gehen. Wie fällt Ihr Resümee für Ihre Zeit in Österreich aus?

Absolut positiv – ich durfte in Wien dreieinhalb sehr lehrreiche, spannende, herausfordernde und bereichernde Jahre erleben. Mein „berufliches Resümee“: Gemeinsam mit meinen 125 Kolleginnen und Kollegen konnte und durfte ich die ING-DiBa Austria weiterentwickeln und ganz klar zur Nummer 1 unter den heimischen Direktbanken machen. Dass sich schon weit mehr als 400.000 Österreicher „Direkt-Sparer“ nennen und mit uns an das Direktbankkonzept glauben, ist für mich der schönste Beleg dafür. Mein „privates Resümee“: ich habe viele wertvolle und besondere Menschen in Österreich kennengelernt, die meinen Weg hier geprägt haben und mit denen ich gerne weiter eng verbunden bleibe. Und ich werde Wien mit der unglaublichen Lebensqualität und dem Überangebot an kulturellen Möglichkeiten sicherlich vermissen…

Die ING DiBa ist nach dem Start in Österreich ziemlich schnell zur führenden Direktbank Österreichs geworden. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der ING DiBa Direktbank Austria seit 2007?

Wir können wirklich stolz auf die Entwicklung der ING-DiBa sein – zumal ja das Umfeld für Banken seit 2008 sehr herausfordernd war. Die Zahlen spiegeln unsere klare Position als Österreichs Direktbank Nummer 1 deutlich wieder: mit Jahresende 2009 hatten wir 400.447 Kunden und Retail Balances von 5,32 Milliarden Euro. Zum Vergleich – zum Jahresultimo 2007 waren es 357.200 Kunden und Retail Balances in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Laut OeNB-Statistik beträgt unserer Marktanteil im Segment Direktbanken derzeit deutlich über 60 Prozent.

Nach einer Schrecksekunde, die doch einige Jahre dauerte, haben die meisten Ihrer österreichischen Konkurrenten aus dem stationären Bereich Online-Sparprodukte auf den Markt gebracht, um ihre Kunden zu halten. Eigentlich als direkte Antwort auf die ING-DiBa (und in weiterer Folge einige andere Anbieter). Die österreichischen Retailbanken bezeichnen das als Erfolg. Haben Sie das gespürt oder war der Online-Markt und sein Wachstum groß genug für alle?

Für mich hat diese Entwicklung vor allem gezeigt, dass von Seiten der Konsumenten ein gesteigerter Druck da war und noch immer da ist. Immer weniger Sparerinnen und Sparer geben sich mit Angeboten von 0,125% auf täglich fälliges Geld zufrieden. Und das ist ja auch sehr gut so! Für die Retailbanken waren und sind diverse Online-Ableger ihrer Produkte durchaus Möglichkeiten, ihre Kunden nicht ganz zu verlieren. Auf unsere Strategie und unser Geschäft hatte dieser Trend keine Auswirkungen.

Sie waren vorher für Marketing der ING DiBa in Deutschland zuständig. Was sind für Sie die größten Unterschiede zwischen dem deutschen und dem österreichischen Markt?

Ein signifikanter Unterschied ist durch die Marktreife gegeben – in Deutschland haben Direktbanken ein wirkliche Historie, während sie in Österreich erst in den vergangenen sieben, acht Jahren aktiv in den Markt gekommen sind. Das bringt mit sich, dass die Konsumenten unterschiedliche Informationsbedürfnisse haben und anders mit dem Angebot einer Direktbank umgehen. Der deutsche Direktbankmarkt ist für Marketingverantwortliche sehr spannend und fordernd – zumal auch die deutschen Bankkunden wesentlich unzufriedener und wechselbereiter sind als die Kunden hier in Österreich.

Gibt es aus Ihrer Sicht auch Unterschiede zwischen deutschen und österreichischen Kunden?

Ja, die gibt es in der Tat. Was mir besonders aufgefallen ist und auch wirklich gut gefällt – österreichische Kunden sind sehr loyal. Das heißt folgendes: Wenn du es schaffst, deine Kunden von deinem Angebot und deinem Service zu überzeugen, wenn du ihnen ein gutes Gefühl für ihre Entscheidung geben kannst – dann hast du eine tolle, partnerschaftliche und verlässliche Beziehung zu deinen Kunden. Und auch die besten und glaubwürdigsten Werbeträger – denn nichts ist so wichtig und wertvoll wie Kunden, die richtige Fans sind und das auch noch in ihrem Familien- und Bekanntenkreis erzählen.

Haben Sie in Österreich auch etwas dazu gelernt, was Sie nun mit nach Deutschland für Ihren neuen Job nehmen?

Jede Menge sogar! Mein Job als CEO der ING-DiBa Austria hat es mir ermöglicht, die Bank wirklich als Gesamtes zu sehen, zu verstehen und dementsprechend zu managen. Der sprichwörtliche „Blick über den Tellerrand“ war damit ganz selbstverständlich mein daily business. Ich habe wirklich sehr viel in und aus Bereichen der Bank gelernt,  mit denen ich zuvor als Marketingverantwortliche vielleicht nicht allzu viel zu tun hatte – die aber mein Verständnis und meinen Horizont wirklich erweitert haben.

Sie werden ja als Vorstand in Deutschland weiter für den österreichischen Markt zuständig sein. Was können sich die Kunden von der ING DiBa Direktbank Austria in den nächsten Jahren noch (Neues) erwarten? Neue Produkte? Neue Services?

Der heimische Markt ist für Direktbank-Services und Angebote sicherlich noch lange nicht ausgereizt. Wir bemühen uns kontinuierlich, unsere Services weiter zu verbessern – gemeinsam mit unseren Kunden, die uns bei „neuralgischen Punkten“ wie etwa der Kontoeröffnung oder der ersten Überweisung im Online-Banking unglaublich wertvolles Feedback geben können. Mit unserem Portfolio – dem Direkt-Sparen, Direkt-Fonds und Direkt-Kredit – sind wir bereits sehr gut für unser Ziel aufgestellt: den Kundinnen und Kunden einfache und attraktive Möglichkeiten zum Vermögensaufbau an die Hand zu geben.

Ich weiß aus meinen Marktstudien, dass nicht wenige Österreicher auf ein Direkt-Gehaltskonto der ING-DiBa warten. Wann kommt es endlich?

Girokonten sind zweifelsohne Basisprodukte, die Kunden nachfragen – allerdings sind sie für Banken auch sehr aufwändig, sehr kostspielig und erst ab einer gewissen Größe rentabel. Wir beobachten die Marktentwicklungen in diesem Bereich ganz genau und sind intern auch gut aufgestellt. Allerdings gilt: vorerst bleiben wir bei unserem Kerngeschäft, da gibt es noch sehr viel Potenzial!

Der Retailbanking-Markt ist in Veränderung. Auch durch die Finanzkrise und ihre Folgen. Wie sieht der Retailmarkt Ihrer Meinung nach in 5 Jahren aus? Welche Rolle spielen stationäre Großbanken und Regionalbanken? Welche Rolle spielen Direktbanken?

Ich denke, wir werden maßgebliche Veränderungen sehen – und diese werden von den Konsumentinnen und Konsumenten mit zunehmendem Druck verlangt werden, da diese immer mündiger und aufgeklärter werden. Die Finanzindustrie tut gut daran, ihre Hausaufgaben aus der Krise nachhaltig und gut zu erledigen und wirklich zu lernen. Die Zeit riskanter Investmentpolitik, Abzocke und Intransparenz muss vorbei sein – einfache, transparente und vor allem nachhaltig attraktive Produkte ist es, was die Kunden von uns verlangen. Und das spricht für das Konzept der Direktbanken.

Schlussendlich ist es der Kunde, der entscheiden kann und entscheiden soll – welche Banken passen wirklich gut zu mir? Verstehe ich die Produkte? Habe ich alle Services und Informationen, die ich brauche? Fühle ich mich mit einer Entscheidung wohl? Und das sind die gleichen Herausforderungen für alle Teilnehmer am Markt.

Liebe Frau Herrmann. Ich darf mich ganz herzlich für das Gespräch bedanken und Ihnen alles Gute für Ihre neue Aufgabe im Vorstand der ING-DiBa in Frankfurt wünschen.


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